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Das Paradebeispiel eines Oldtimers, auf den die aufgezeigten Regeln zutreffen, ist
der MGB GT. Speziell die Frage, ob ein MGB GT, gebaut in den Jahren 1974 bis 1980
ein "Oldtimer" (im allgemeinen Sprachgebrauch, im persönlichen Empfinden, wie auch
aus der Normung heraus) ist, kann mit "Ja" beantwortet werden weil:
- Das Fahrzeug erfüllt die normalen Kriterien des Alters mit "Mehr als 20 Jahren"
- Das Fahrzeug hat noch die oldtimertypische Bauform (Chromleisten, Türgriffe etc.)
- Das Fahrzeug taucht so selten im Straßenbild auf, dass bei fast jedem Betrachter
der persönliche "Ach schau mal" - Eindruck entsteht, somit das Kriterium des
Besonderen bzw. Seltenen erfüllt wird.
Der Oldtimerstatus des MGB GT ergibt sich aber nicht nur aus seinem Alter, sondern
auch aus seinem Erscheinungsbild und der im Verhältnis zum MGB Cabrio geringen
Stückzahl. Während vom MGB in Cabrio- und Coupé-Version insgesamt rund 513.000
Exemplare gebaut wurden, entfallen auf den MGB GT in MkII-Version lediglich 104.000
Stück. Der größte Teil hiervon verblieb in Großbritannien oder wurde in die USA
exportiert, lediglich 9.300 Stück verteilten sich auf den Rest der Welt. Das zu
bewertende Auto gehört zu diesen, nicht wie das US-Modell in großer Masse (47.000
Stück) produzierten Modellen.
Gerade die mangelnde Beliebtheit zum damaligen
Zeitpunkt macht den Wagen aus heutiger Sicht interessant, da es sich um einen der
in der Automobilgeschichte häufigen Fälle vom "richtigen Auto zum falschen Zeitpunkt"
handelt. Der MGB GT ist als Coupé mit Heckklappe ein früher Vorläufer der erst in den
neunziger Jahren von den großen Herstellern entdeckten Sparte des Sport-Kombis, in
die heute beispielweise ein BMW Z4 Coupé fällt. Der MGB GT zählt somit zu den
Initiatoren für eine erst 20 Jahre später zu Ende gedachte Idee. Trotz dieses
fortschrittlichen Konzepts weist der Wagen alle Merkmale eines klassischen 60er
Jahre Sportwagens auf, dessen Grundform bereits auf das Jahr 1965 zurückgeht und
somit 39 Jahre alt ist. Hierzu zählt die im Verhältnis zur Fahrzeuglänge ausladende
Motorhaube und eine kompakte Fahrgastzelle mit kurzen Karosserieüberhängen im
Heckbereich. Typisch sind weiterhin die zahlreichen Chromzierteile (Fensterrahmen,
Seitenleisten), Rundinstrumente und der Verzicht auf elektrische oder hydraulische
Bedienungshilfen wie Fensterheber, Servolenkung oder ABS. Diese Technik vermittelt
das direkte Fahrerlebnis, das moderne Fahrzeuge nicht mehr bieten können und das
Oldtimerliebhaber schätzen.
Die Beliebtheit des MGB zeigt sich weiterhin in der
großen Zahl von Kleinanzeigen, in denen in der Fachpresse (Oldtimerzeitschriften)
Modelle dieses Typs angeboten werden, an den zahlreichen Händlern, die sich gerade
auf den Verkauf dieses Modell spezialisiert haben und nicht zuletzt am großen
Ersatzteilangebot.
Zusammenfassend lässt sich also feststellen, dass es sich bei
dem MGB GT um den letzten Vertreter des erschwinglichen britischen
Großserien-Sportwagens handelte, mit seinem Produktionsstop hörte diese spezielle
Fahrzeugklasse (Coupévariante eines Cabrios) auf zu existieren und wurde erst Anfang
der neunziger Jahre wiederbelebt.
Quelle: Classic Data
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